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Fragen und Antworten

Marianne und Wilfried Marquardt

21465 Reinbek, Hermann-Körner-Strasse 15,  Tel.: 040 / 722 18 98

E-Mail: Reinbeker@Hobbymosterei.de


Kellereiartikel für private Verbraucher





Inhalt dieser Seite:


  1. Tresterverwertung (02.01.2005)
  2. Apfeltrester für die Schafe (26.10.2011)
  3. Apfeltrester trocknen (14.09.2012)
  4. Bewertung von Apfeltrester als Futtermittel (21.11.2012)
  5. Art der Trestergärung am Geruch erkennbar (18.04.2013)
  6. Apfeltrester nicht silieren, sondern vergären (17.04.2013)
  7. Trestergärung in Einschlagfässern, Bericht vom 17.11.2013
  8. Trester als Düngemittel auflockern (08.09.2015)
  9. Anleitung für Trestervergärung in Einschlagfässern (17.11.2016)




Tresterverwertung


Frage
Ebenso wie Sie, möchte ich den Trester sinnvoll weiterverarbeiten, so dass er als Tierfuttermittel eingesetzt werden kann.


Was ist Ihre Erfahrung bzgl. minimaler und maximaler Lagerungsdauer unter luftdichten Bedingungen?


Antwort von Wilfried Marquardt am 02.01.2005
Die Tresterlagerung haben wir in der letzten Saison erstmals geübt, weil der Förster kein Interesse mehr am Trester hatte. Die Entsorgung haben wir noch nicht gelöst und suchen jetzt Abnehmer.


Den Trester in Tonnen vergären, wie Wein mit Gäraufsatz oder lose aufgelegtem Deckel. Fest verschlossen kann der Behälter platzen. Die Gärzeit ist wie bei der Weinbereitung von der Umgebungstemperatur abhängig.


Wenn das Zeug durchgegoren ist, ist es breiig und in der Farbe beige. Danach sollte er fest verschlossen gelagert werden. Bei Sauerstoffzutritt schimmelt die Oberfläche und kann als Tierfutter nicht mehr verwendet werden.



#top





 

Apfeltrester für die Schafe


Frage
Haben Sie Erfahrung in der Nutzung der Reste - Trester - als Viehfutter? Da wir Schafe haben denke ich darüber nach - und probiere aus - ob die Reste, in Fässer gedrückt und luftdicht verschlossen, eine Milchsäuregärung durchlaufen, so dass die Reste im Winter verfüttert werden können. ( ähnlich wie Sauerkraut oder Maissilage) Bei der mobilen Mosterei würde viel davon anfallen - da steckt bestimmt Potenzial in der Größe der Herde...

Über eine Antwort und Einschätzung von Ihnen würde ich mich sehr freuen.


Antwort von Wilfried Marquardt am 26.10.2011
Apfeltrester ist ein hochwertiges Futtermittel, wenn der Trester richtig aufbereitet wird.
Zu den positiven Gesundheitsaspekten der Tresterschlempe möchte ich mich hier nicht weiter auslassen, weil ich mich nicht dem möglichen Zorn von Tierärzten aussetzen möchte, die begründet um Honorareinbußen bangen würden.

Im Gegensatz zu Sauerkraut oder Maissilage findet keine Milchsäuregärung, sondern eine Alkoholgärung, wie bei der Weinbereitung statt. Vergoren wird der restliche Zucker im Trester, der aus der Maische nicht mehr abgepresst werden konnte. Wenn Sie mit Ihrer Pressanlage etwa 55 Gewichts% Saftausbeute haben, verbleiben 42 Gewichtsprozente Saft und nur 3 G-% Fasermaterial. Im Zuge der Trestergärung wird nicht nur Alkohol produziert, sondern das gesamte Material nahrhaft aufbereitet.


Im Gärprozess zerstören die Weinhefen das Zell- und Pektingerüst der Fruchtstückchen, so dass der bisher nicht abpressbare Saft freigesetzt und so vergoren werden kann. Zudem ändert das Futtermittel sein Aussehen und seinen Geruch. Es ist nach erfolgreicher Gärung breiiger geworden und sieht jetzt hellbraun aus. Harte Tresterstückchen gibt es nicht mehr. Der Geruch ist angenehm würzig alkoholisch. Der so vergorene Trester heißt jetzt Tresterschlempe. Der Duft lockt Nutz- und Wildtiere gleichermaßen an. Wird das Futter nicht portioniert zugeteilt, torkeln die Tiere alkoholisiert und übermütig herum, so wie wir es früher als Halbstarke auch mal waren.


Die richtige Aufbereitung des Tresters
setzt bereits beim Produzenten in der Mosterei ein. Wenn der Trester erst offen auf dem Anhänger in der Mosterei zwischengelagert wird, ist er dem Verderb mit Schimmelbildung ausgesetzt.

Soweit ich in meinem Umfeld über die Jahre beobachten konnte, war bisher kein Tresterabnehmer in der Lage, von sich aus den Trester richtig zu vergären. Landwirte, Förster und die Jäger hatten alle die Vorstellung einer Silage. Silage heißt "offene Behältergärung mit Sauerstoffzutritt". Das funktioniert natürlich nur mit Futtermaterial, das keinen süßen Saft mitführt.


Weil Kernobsttrester aus Hobbymostereien im Mittel noch 35 % Saft beinhalten, ist dieser Trester wie Obstwein zu vergären. Das heißt, die Gärung hat unter Sauerstoffabschluss, bei mindestens 20 °C Umgebungstemperatur zu erfolgen. Wird die Mindest-Temperatur um 5 °C unterschritten, dauert die Vergärung 6 Monate. Wird die Mindest-Temperatur um 5 °C überschritten, ist die Gärung bereits nach 3 Wochen beendet und das Material kann verfüttert werden.


In einer Backstube mit 30 °C Raumtemperatur ist der Trester nach einer Woche vergoren. Wohl dem Schäfer, der einen Schwager als Bäckermeister hat.


Für die Vergärung

sollten handliche Kunststofffässer mit 60 Liter Inhalt verwendet werden, die mit Deckel und Spannring ausgestattet sind. Siehe hierzu das angehängte Foto.

Während des Transportes ist das Fass geschlossen zu halten. Am Aufstellort (Gärraum) wird nur der Spannring gelöst, ohne den Deckel weiter anzuheben. Dies ist erforderlich, damit die bei der Gärung entstehenden Druckgase entweichen können. Der Deckel muss immer eng aufliegen, damit keine Sauerstoffeinspülung erfolgen kann.

Nach Abschluss der Gärung wird das Fass wieder mit dem Spannring fest verschlossen, bis der Inhalt verfüttert wird. Wird das Fass während der Gärung geschlossen gehalten, kann es infolge Gärungsüberdruck bersten.


Wenn Sie Ihre Schafe die letzten 6 Wochen vor der Schlachtung mit Tresterschlempe ergänzend zufüttern, erhalten Sie ein zartes (durch die Fruchtsäure) und wohlschmeckendes Fleisch / Schinken / Wurst etc.


Rechengröße:

Die Fassgröße von 60 Liter
hat nichts mit der Gärung, sondern nur mit dem Hantieren zu tun. Wenn der Trester lagenweise fest in das Fass gestampft wird, wiegt es brutto zwischen 45 bis 48 Kg. Das Trestergewicht beträgt 42 bis 45 KG, das ist im Mittel  die Menge aus 125 Kg Äpfeln.


Größere Fässer
haben den Vorteil, dass sie bei Raumnot weniger Platz einnehmen und zügiger durchgären, als die kleinen Fässer. Dann sollte man sich aber eine Fasskarre mit Kippvorrichtung und eine Hebeeinrichtung zulegen.

Die vorgenannte Aufbereitungsart ist im Hobbybetrieb oder Nebenerwerb die sicherste und effektivste Methode.


Trester in der Erdgrube vergären
Als es vor 30 Jahren die preisgünstigen blauen Kunststoff-Fässer mit Deckel und Spannring noch nicht gab, entsorgten wir unseren Trester beim Förster im nahegelegenen Wald.

Dieser hatte für die Trestergärung und Einlagerung im Rotwildwald eine Erdgrube angelegt. Auf einer Fläche von 2 x 6 Meter wurde der Boden einen Spatenstich tief ausgehoben und seitlich als Anhäufelung gelagert. Die offene Grube hatte so eine Tiefe von 40 cm. Der Boden und die Seitenwände waren mit einer 0,2 mm starken Baufolie ausgekleidet.

In diese mit Folie ausgekleidete Grube entsorgte ich wöchentlich meinen Trester. Die Abdeckung bestand ebenfalls aus der gleichen Folie und überdeckte die umlaufenden Erdränder um etwa einen Meter. Damit die Folie nicht vom Wind abgehoben werden konnte oder Tiere sich nicht unerlaubt und vorzeitig dem vergnüglichen Verzehr hingeben konnten, wurde die gesamte Einheit jedes Mal mit Zweigen und Buschwerk abgedeckt.

Als ich einmal zum Schluss der Saison unvorsichtig am Grubenrand in die bereits vergorene Tresterschlempe versank, war ich hierüber sehr erschreckt. Einmal darüber, dass ich überhaupt darin einsinken konnte. Lief ich doch vormals auf festem Trester herum. Andererseits über die Verfärbung von mittelbraun nach hellbraun bis fast gelb. Und dann der starke Duft mit der für mich noch unbekannten Gewürznote.
Auf jeden Fall funktionierte diese Art der Trestervergärung.


Nachdem meine herbstlichen Lieferungen beendet waren, wurde die Grube oberhalb der Folie mit einer Lage Strohballen gegen Kälte abgedeckt und darauf wieder die Zweige. Als dann bei Frost für das Rotwild Nahrungsmangel bestand, wurde die Grube an der Schmalseite in 25 cm-Streifen zur Verfütterung für wenige Stunden freigelegt. Die Zeit richtete sich nach den Minusgraden. Wichtig war, dass die Tresterschlempe nicht gefriert. So weit zu meiner Tresterentsorgung im letzten Jahrhundert.


Tresterkekse
Dann gibt es noch die gewinnbringende Möglichkeit, aus dem Trester richtig Profit zu schlagen.

Der Trester wird nur zu einem Teil vergoren, so dass er noch nicht breiig ist. Dann werden daraus in rundlichen Formen Kekse gepresst und auf Blechen, Rosten etc. in Zugluft getrocknet. Diese Kekse bieten Sie in abgepackten Tüten Ihren Besuchern der Schafweide zum Kauf an, damit diese damit Ihre Schafe verwöhnen dürfen.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Trestergärung.



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Apfeltrester trocknen


Frage
Kann man bei Ihnen Apfeltrester kaufen? Wenn ja, kann man diesen zu Hause trocknen? Ich kenn Apfeltrester fürs Pferd nur trocken, bei Ihnen auf der Homepage sieht er aber eher nass-matschig aus.


Antwort von Wilfried Marquardt am 14.09.2012
Den Apfeltrester haben wir immer an Selbstabholer verschenkt. Derzeit haben wir einen Selbstabholer, der unseren gesamten Trester abnimmt. Es bleibt also nichts für andere Interessenten übrig.

Bei unserem Produktionsverfahren beträgt die Saftausbeute im Mittel 65 %, so dass im Trester noch ein nicht auspressbarer Saftanteil von gerundet 35 Gewichtsprozent verbleibt.


Der frisch gepresste Apfeltrester fühlt sich relativ trocken an und ist handfeucht. Wenn Sie eine Hand voll Trester von Hand ausdrücken wollen, kommt dabei kein Tropfen heraus. Erst wenn der Trester durchgegoren ist, hat er eine leicht breiige Konsistenz, wie bereits von mir unter " Apfeltrester für die Schafe" ausgeführt.


Im Gärprozess haben die Weinhefen das Pektingerüst abgebaut, so dass jetzt die verbliebenen 35 Prozent Flüssigkeit deutlich werden.


Wie Sie die Pferdekekse schmackhaft herstellen, lesen Sie bitte unter " Apfeltrester für die Schafe" . Wenn der Trester einige Tage angegoren ist, kann er gut geformt und künstlich getrocknet werden.


Frischer Apfeltrester kann auch getrocknet werden, hat jedoch nicht den Nähr- und Genusswert, wie angegorener Trester. Probieren Sie das gerne mal an Ihrem Pferd aus.



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Bewertung von Apfeltrester als Futtermittel


Frage
Ich arbeite bei einem großen Tierschutzverein und recherchiere im Moment zum Thema „Ernährung von Schafen“. Wie ich auf Ihrer Webseite gelesen habe, ist vergorener Apfeltrester ein gutes Futtermittel für Schafe. Nun frage ich mich: Könnte man den Apfeltrester als Rückstand aus der Saftherstellung auch unvergoren verfüttern?
Wie ich es einschätze, enthielte er unvergoren zuviel Zucker und würde damit vermutlich zu einer Pansenübersäuerung führen. Was meinen Sie dazu?

Ich danke Ihnen für Ihre Auskunft.


Antwort von Wilfried Marquardt am 21.11.2012
Vergorener Apfeltrester ist nicht nur für Schafe ein wertvolles Futtermittel, sondern für alle Wild- und Nutztiere. Beachten Sie aber, dass Apfeltrester nicht gleich Apfeltrester ist. Wie wertvoll der Trester tatsächlich ist, hängt von der Obstverarbeitung ab.
Trester von Privatleuten hat in der Regel im Mittel ein Restgewicht von 35 % zum Fruchtgewicht. Wenn Betriebe damit werben, dass ihre Saftausbeute 75 % beträgt, dann beträgt das Restgewicht des Tresters nur noch 25 % und ist somit weniger gehaltvoll. Noch unbrauchbarer wird Apfeltrester, wenn die Maische mit enzymabbauenden Hilfsstoffen versetzt wurde und die Saftausbeute über 80 % ausmacht. Solch ein Trester ist ausgelaugt und hat nur noch wenig Futterwert. So weit zur grundsätzlichen Bewertung von Apfeltrester.


Der Apfeltrester kann natürlich auch frisch von der Presse und unvergoren verfüttert werden. Hierbei jedoch beachten:



Ich hoffe, dass ich Ihre Fragen erschöpfend beantworten konnte.




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Art der Trestergärung am Geruch erkennbar


Frage
Zwei Sachen liegen mir noch brennend auf der Seele:

Wenn ich nun also, nach Ihrer Anleitung, den Trester ins Fass verbracht verdichtet und mit
einem Deckel mit Gärspund versehen habe, besteht hier nicht die Gefahr dass sich der Trester "hebt" bzw aufgeht?

Muss das Fass bis Oberkante gefüllt werden oder reicht ein Abstand von ca 5 cm zum
Fassdeckel?

Die von mir bisher angewandte Methode führt zwar nicht zum gleichen Erfolg wie Ihre, allerdings ist mein Trester auch nicht ungeniessbar. Hätten Sie Bedenken dass der von mir bisher erzeugte haltbare Trester nicht zur Fütterung geeignet sein könnte bzw. ob irgendein chemischer Prozeß, welcher normalerweise beim Silieren auftritt nicht stattgefunden haben?

Mein Ausschlußkriterium zur Verfütterung war bisher immer der essighaltige Geruch. Aber vielleicht liege ich ja auch falsch.

Antwort von Wilfried Marquardt am 18.04.2013
Der eingestampfte Trester verändert sich tatsächlich. Er schwimmt aber nicht auf, weil hierfür die Auftriebsunterlage „Saft“ fehlt. Das ist bei Maischegärung der Fall, nachdem sich Saft und Maischekuchen während des Gärprozesses trennen. Je nach Fruchtart und Umgebungstemperatur darf das Fass z.B. bei Pflaumenmaische nur zur Hälfte gefüllt werden.

In unserem Falle der Trestergärung verdichtet sich die Trestermasse, so dass sich das spezifische Gewicht erhöht. Weitere Hinweise entnehmen Sie bitte den beiden angehängten Fotos.


Der Trester wird von mir eingestampft, damit das Fass optimal gefüllt ist. Mehr braucht nicht getan zu werden, weil der Trester für die Vergärung bereits von der Obstmühle aufgeschlossen wurde. Es können natürlich auch weniger gefüllte Fässer vergoren werden.. aber welch eine Platzverschwendung! Das vollkommen vergorene Produkt nenne ich Tresterschlämpe, egal wie dickbreiig das Futtermittel ist.

Normalerweise ist der Geruch bei Trestergärung alkoholisch beißend scharf. Selbst wenn Sie den typischen Essiggeruch wahrnehmen, mindert dieses Futtermittel nicht den Nährwert. Weil es nicht vergoren, sondern nur angegoren ist, darf es nicht pur, sondern nur in geringen Mengen mit anderen Futtermitteln gestreckt verfüttert werden. Andernfalls blähen die Tiermägen wegen der ergänzenden Gärung auf und können bei unkontrollierter Fütterung platzen.



Wenn Ihr Trester tatsächlich nach Essig duftet, dann ist das der Beweis dafür, dass Sie den Trester siliert und nicht gegoren haben. Essig ist ja auch eine Gärung, jedoch unter anderen Bedingungen. Die Essigbakterien benötigen Sauerstoff, um vorhandenen Alkohol in Essigsäure umzusetzen. Die Weinhefen hingegen sind unter Sauerstoffabschluss aktiv, verzehren Zucker und scheiden Alkohol aus.

Wenn Sie das Thema mit Apfelessig in Futtermitteln vertiefen wollen, empfehle ich das Buch von Dr. D.C. Jarvis „Rheuma ist kein Schicksal“ ISBN 3 444 100221, Verlag Hallwag AG Bern 1966 oder ein anderes Buch vom Autor (5 x 20 Jahre leben). Vielleicht ist es noch antiquarisch erhältlich. Wer die praktischen Hinweise von Dr. Jarvis gelesen hat, wird den vergorenen Apfeltrester anschließend mit der Essiggärung noch hochwertiger aufbereiten.

Wenn Sie alles richtig verstanden und umgesetzt haben, können Sie künftig auf Ihren Tierarzt weitestgehend verzichten.
Auf jeden Fall sollten Sie darauf achten, dass kein Futtermittel verschimmelt oder mit schimmligen Anteilen verfüttert wird. Je nach verzehrter Menge führt solches Futter zum Tod des Tieres.



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Apfeltrester nicht silieren, sondern vergären

Frage
Spannend habe ich auf Ihrer Internetseite die Berichte zum Apfeltrester als Futtermittel verfolgt.

Ich praktiziere/probiere dies nun auch schon seit 3 Jahren in verschiedenen Formen.

Aktuell benutze ich 120 Liter-Fässer welche ich schon bei der Mosterei befülle und mit einem 5 kg Hammer verdichte.
Befülle bis ca. 10 cm unter den Rand, Fässer sind nicht mit Spannring versehen sondern nur mit auflegbarem Deckel.
Zu Hause nehme ich dann relativ leichte Folie und befülle diese dann mit ca 15 kg Quarzsand, somit gewährleiste ich Luftabschluß. Allerdings entsteht bei mir keine breiige Schlempe, der Trester ist ziemlich im gleichen Zustand wie bei der Befüllung.

Habe als Vergleich ein Fass offen stehen lassen, nach ein paar Tagen stinkt es bestialisch nach Essig.

Habe auch schon Versuche mit Silofolie, welche ich mit Erdmaterial bedeckt habe, durchgeführt, hierbei kann ich aber keine 100%tige Anpassung der Folie an den Trester gewährleisten, somit auch inakzeptabel.

Was mich speziell interessieren würde, ist Ihre Ansicht von Silage.
Meiner Meinung nach ist das Lagern von verdichtetem Trester unter Luftabschluss (siehe bei meinem Verfahren das Abdichten mit Sand, allerdings können Gärgase entweichen), eine Form von Silieren.
Bei der konventionellen Silgaeherstellung von z.B. Silage für Pferde, wird auch angewelktes Heu in Folie verpackt und gelagert, respektive die Maissilage im Bodensilo, welches auch verdichtet und abgedeckt wird.

Unter Umständen könnte es bei mir an der Temperatur liegen, da ich die Fässer in der Scheune lagere dort herrschen aber leider keine 20° sondern weniger.

Wie würden Sie meine Form der Verwertung bewerten, ist der Schritt zur Schlempe nur aufgrund der Temperaturdifferenz nicht zustande gekommen? Habe gestern ein Fass welches nach 6 Monate gelagert hat geöffnet, derselbe Zustand wie zum Zeitpunkt der Einlagerung.

Ich möchte das Verfahren noch optimieren und Ihr Bericht über die "Schlempe" hat mir zu denken gegeben, des weiteren ist mir noch kein probates Mittel zur Beurteilung der Qualität der "Trestersilage" in die Hände geraten. (Außer der extrem beißende Geruch von Essig bei offener Lagerung). Habe bei manchen meiner Schafe aber schon beobachtet dass die nach dem Verzehr von Trester einen aufgeblähten Bauchraum hatten, nach Absetzung des Tresters als Futtermittel hat sich dies in ein paar Tagen immer von selbst reguliert.

Mich würde der richtige Weg zur Produktion von Tresterschlempe extrem interessieren und auch dessen Bewertung


Antwort von Wilfried Marquardt am 17.04.2013
Mit Ihren Praxishinweisen bestätigen Sie die Ausführungen anderer Anwender, die Apfeltrester vergoren und meine Ergebnisse einer breiigen Tresterschlämpe nicht bestätigt haben. Die Unterredungen verliefen für mich immer unbefriedigend, weil die Anwender äußerst lax vorgingen und auch nur ungenaue Angaben zur Gärführung machen konnten. Derartige Hinweise begründete ich bisher mit fehlerhafter Gärführung. Nachfolgend fasse ich die Aufbereitung noch einmal zusammen:

 

Die Verarbeitung des Obstes mit Vergärung des Tresters hat genau so zu erfolgen, als würde Obstwein hergestellt werden. Die Anwender müssen sich hier fachlich konsequent auf die „Weingärung“ einstellen.

Die in der Landwirtschaft praktizierte Silage hat in der Regel Rübenblattwerk und Grasschnitt als Aufbereitungsgrundstoff. Im Vergleich mit Apfeltrester ist Silagematerial ohne nennenswerten Zuckeranteil und der Saft aus Blattwerk und Grasschnitt eignet sich auch nicht für irgendeine Weinbereitung. Deshalb muss das Siliermaterial noch mechanisch aufbereitet werden, was beim Apfeltrester bereits erledigt ist.


Weitere Infos zur Silage bitte ich dem aid-Heft "Qualitäts-Grassilage - vom Feld bis in den Trog", 84 Seiten, Bestell-Nr. 61-1563, Preis: 4,50 Euro, www.aid-medienshop.de zu entnehmen.


Das Fass muss also gegen Sauerstoffeintrag druckdicht abgeschlossen sein.

Ein lose aufgelegter Deckel könnte nicht genügen, besser ist ein verschlossener Deckel mit Gärspund und wassergefülltem Gärrohr. Mit dieser Methode wird die Funktionstauglichkeit sofort festgestellt. Wenn im Gärrohr kein Wasser steigt, liegt eine Fassundichtigkeit vor, die beseitigt werden muss.

Die Umgebungstemperatur sollte über 20 °C betragen.



Anhand dieser Vorgaben prüfen Sie bitte selbst, wo Ihre Abweichungen bei der Trestergärung bestanden haben.

Weil ich bisher von noch keiner Seite eine Bestätigung zu meinen Tresterberichten erhalten habe, werde ich im kommenden Herbst 2013 einen Praxisdurchlauf nach den obigen 6 Vorgaben vornehmen. Es werden 60-Liter-Fässer mit unserem Apfeltrester von 35 % Restgewicht gefüllt und ohne weitere Zusätze vergoren. Die verschiedenen Schritte mit den Variablen werden dokumentiert und nach Abschluss unter F&A-Apfeltrester veröffentlicht.



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Der Praxisdurchlauf ist erfolgt


Abschließend der vierseitige Bericht vom 17.11.13 Trestergaerung in Einschlagfaessern zum Download.



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Trester als Düngemittel auflockern


Frage

Mit dieser bis jetzt noch nicht beantworteten Frage bin ich ins Internet gegangen und bei Ihnen gelandet. und so beschreibe ich kurz die Hintergründe meiner Frage:

Einerseits: ein Mitbewohner- Ehepaar hat eine Lohnmosterei gegründet und weiß nicht, wohin mit dem Trester.

Andererseits: Ich bin Hobbygärtner und arbeite streng mit Bodenbedeckung und Flächenkompostierung.

Da bietet es sich doch an, den Trester aufzulockern, mit vorhandenem Feinlaub-Grasschnitt-Gemisch zu mischen und als Bodenbedeckung zu verwerten. Was halten Sie von dieser "Trester- Auflockerungs-Idee" ?


Antwort von Wilfried Marquardt am 08.09.2015

1. Ihre Frage in der Betreffzeile beantworte ich mit einem klaren Ja, wenn es ein Messerwerkhäcksler mit Ausräumer ist, wie wir ihn verwenden. Siehe http://www.reinbeker-hobbymosterei.de/html/mahltechnik.html#Feinheitsgrad .
Für Kleinmengen funktioniert auch sehr gut die Handmühle, wie sie auf http://www.mostpresse.de/Handmuehle/handmuehle.html angeboten wird. Diverse Gartenhäcksler, die einen hohen Luftstrom für den Auswurf benötigen, sind für Auflockerungen von feuchtem Trester ungeeignet und verstopfen sofort.

 

2. An erster Stelle sollte bei den Nebenerwerbsmostereien die Tresterverwertung als Futtermittel stehen, weil der vergorene Apfeltrester hochwertig ist.

Siehe http://www.reinbeker-hobbymosterei.de/html/apfeltrester.html .

3. Erst wenn sich keine Abnehmer finden, ist eine aufgelockerte  Flächendüngung sinnvoll. Von einer Flächenkompostierung oder Bodendeckung rate ich ab, weil dadurch eine geschlossene Schimmelrasendecke entstehen könnte, die sich gesundheitsschädlich auf Menschen und Nutztiere auswirken könnte. Die Ausbildung des Schimmelrasens ist wesentlich von der jeweiligen Wetterlage abhängig, nachdem die Flächenkompostierung ausgebracht wurde.

 

4. Bei der dünnen und aufgelockerten Flächendüngung mit Bodendurchsicht ist die Gefahr der Schimmelbildung auf dem Trester wesentlich geringer. Bei Sonnenschein trocknet der Trester relativ schnell aus und bei Regen werden die fruchtigen Restzuckergehalte ausgespült. Die Ausbringung erfolgt wirtschaftlich mit einem Miststreuer.
Diese Variante wird häufig von Familienmostereien genutzt. Hierfür ist eine frühzeitige Absprache mit einem nahe gelegenen Landwirt erforderlich, der dann in der Verarbeitungssaison die Tresterverwertung für die Eigennutzung übernimmt. Die Eigenverwertung des Landwirtes kann natürlich auch eine Biogasanlage sein.

 

5. Wie brauchbar Ihre Variante mit Trester-Feinlaub-Grasschnitt-Gemisch ist, sollten Sie in einem überschaubaren Feldversuch mit mehreren Kleinflächen an verschiedenen Tagen feststellen und protokollieren. Auch hier werden unterschiedliche Ergebnisse herauskommen, weil die Witterung verschieden ist und wahrscheinlich das Gemisch bei jeder Ausbringung eine unterschiedliche Zusammensetzung hat. Auf jeden Fall scheint mir dieses Verfahren sehr arbeitsaufwändig zu sein.




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Anleitung für Trestervergärung in Einschlagfässern


Frage

Ich habe Ihren Bericht über die Gärung von Apfeltrester mit viel Interesse gelesen.

Das würde ich auch gerne tun, um Futterzusatz zu erzeugen.

Es ist mir aber etwas nicht klar:

Was genau (Schritt für Schritt) muss ich machen, um die Gärung erfolgreich durchzuführen?


Ist es wirklich so einfach, den Trester in luftdichte Behälter zu füllen, mit Gärrohr auszustatten und am geeignetem Ort zu lagern, oder muss ich z. B. einen Zusatz wie Hefe dazu tun, um das Gären anzukurbeln?


Antwort von Wilfried Marquardt am 17.11.2016

Nachfolgend unsere Anleitung zur Vergärung von Apfeltrester in Einschlagfässer mit 60 Liter Inhalt:


Am jeweiligen Presstag werden Fässer mit Trester lagenweise gefüllt, gestampft, verschlossen und in den Gärraum mit 20 Grad Celsius Raumtemperatur eingebracht. Weitere Zutaten gibt es nicht.

Sobald im Fass Gärdruck entsteht, wird der Spannring gelöst und der Deckel mit einem 3,2 Kg schweren Klinkerstein belastet. Die Gewichtsauflage funktioniert ähnlich wie ein mit Wasser gefülltes Gärrohr. Überdruck im Fass kann entweichen aber mit Sauerstoff angereicherte Raumluft kann nicht eindringen. Die Steinauflage hat gegenüber dem Gäraufsatz noch den Vorteil, dass der Fassdeckel ohne Bohrung für den Gärstopfen, unversehrt bleibt. Das später vergorene Fass kann somit ohne weitere Hilfsmittel gasdicht für die Einlagerung verschlossen werden.

Mitte Dezember ist die Gärung des Tresters allgemein beendet. Bei höherer Raumtemperatur verkürzt sich die Gärzeit und bei niedrigerer Temperatur verlängert sie sich.
Die Steinauflage wird entfernt. Dafür wird das Fass wieder fest mit dem Spannring verschlossen und für den späteren Verbrauch eingelagert.

Für den Fall, dass die Gärung doch noch nicht restlich beendet sein sollte, werden die mit dem Spannring verschlossenen Fässer in den ersten Tagen auf Überdruckbildung geprüft. Sind Fässer prall aufgebläht, werden die Spannringe gelockert, damit der Überdruck entweichen kann. Es ist örtlich zu entscheiden, ob der Gärprozess bei aufgelegtem Deckel mit Klinkerstein für unbestimmte Zeit fortgeführt werden soll.


Ergänzende Ausführungen mit Fotos finden Sie noch auf

http://www.hobbymosterei.de/html/vergorener_apfeltrester.html .




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