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Fragen und Antworten

Marianne und Wilfried Marquardt

21465 Reinbek, Hermann-Körner-Strasse 15,  Tel.: 040 / 722 18 98

E-Mail: Reinbeker@Hobbymosterei.de


Kellereiartikel für private Verbraucher





Inhalt dieser Seite:


  1. Auswirkungen bei zu klein gewählten Presstüchern (09.08.2019)




Auswirkungen bei zu klein gewählten Presstüchern


Frage

Ich möchte mich zuerst für Ihre informative Webseite rund ums Mosten bedanken und Ihnen dafür ein Lob aussprechen. Ich habe die Seite schon sehr oft um Rat gefragt und Ihre Tipps haben mir oft die Arbeit erleichtert. 


Wir haben eine Packpresse mit 65er Kunstoffplatten im Einsatz und benötigen dafür nun passende Presstücher. Ihrer Preistabelle auf Seite http://www.mostpresse.de/Presstuch/presstuch.html habe ich die Empfehlung 110x110 zu nutzen entnommen. Aktuell haben wir die 100er Presstücher in Verwendung mit der Folge, dass die Packen immer wieder mal an der Ecke "geplatzt" sind und Maische auslief. Nach nochmaligem Studium ihrer Infos, würde ich gerne eine Tuchgröße von 140 x 140 bestellen.


Nun stellt sich mir die Frage welchen Gewebetyp ich wählen soll. Ich habe auf Ihrer Seite auf die Schnelle nichts gefunden. Wir pressen 85-90 Prozent Kernobst (Äpfel, Birnen, Quitten). Ab und zu pressen wir auch Kirschen, Pflaumen, Trauben und Beeren (Eberesche, Trauben).


Antwort von Wilfried Marquardt am 09.08.2019

Für Kern- und Steinobst ist das Grobgewebe richtig und für das feinkörnige Beerenobst das Feingewebe. Die Weintrauben sind wegen Ihrer Faserstruktur dem Kernobst zuzuordnen, wenn diese wie Kernobst fein gemaischt werden.


Wenn Beerenobst mit der Packpresse versaftet werden soll, sind nicht wie beim Kernobst 6 cm Packlagen, sondern wegen ungenügender Faserdrainage der Beerenmaische nur bis 4 cm Lagen zu pressen. Die zu wählende Schichtstärke ist vordergründig von der Fruchtreife abhängig.


Auch zur Tuchgröße habe ich mich speziell auf 
http://www.obstpresse.de/Presstechnik.html#Pressleistung ausgelassen, die von der Standardvorgabe der Tabelle auf 

http://www.mostpresse.de/Presstuch/presstuch.html abweicht. Hier ist seitens des Käufers das Für und Wider abzuwägen.


Danke dafür, dass Sie sich die Zeit zum Studium meiner auf Obstpresse.de hinterlegten Stellungnahmen genommen haben. Ihre daraus getroffene Wahl für eine Tuchgröße von 140 x 140 cm hat mich jedoch veranlasst, der Sache auf den Grund zu gehen um heraus zu finden, welche Größe für einen zügigen Pressablauf sinnvoll ist.

So habe ich Ihre Packpresse mit 65er Presseinlagen und Packrahmen 55 x 55 cm mit verschiedenen Tuchgrößen einem Vergleich unterzogen. Hierbei sollte festgestellt werden, mit welcher Tuchgröße die optimale Drainageschicht für einen schnellen Ablauf des Saftes auf der Tucheinschlagseite (Oberseite) erreicht wird. Mindestens soll hier eine einfache Deckung erreicht werden. 


Im Anhang übersende ich Ihnen zur Veranschaulichung 5 Fotos:


Fall 1 mit Tuchgröße 110 x 110 cm

Die Tuchgröße gilt allgemein für 65er Einlagen als Standardmaß bei Händlern. Das Foto zeigt eine geschlossene Abdeckung der Oberseite und bestätigt damit die Funktionalität für ablaufenden Saft von pflück- bis genussreifer Apfelmaische.


Bei vollreifer Apfelmaische mit einlagiger Tuchabdeckung kann der Saft nicht schnell genug abfließen, die Schichten stauen auf, der Pressstapel gerät in Schieflage und eine oder mehrere Ecken der Packlagen brechen auf.

Wenn die Tücher mit gleichmäßigen Seitenabmessungen im Packrahmen ausgelegt werden, genügen bei überwachter Pressensteuerung auch die Tuchüberlappungen an den Ecken gegen Aufbrechen bei Staudruck.



Fall 2 mit Tuchgröße 120 x 120 cm

Bei dieser erweiterten Größe ergeben sich nur in Teilbereichen mehrfache Überlappungen zwischen zwei- bis vierfach. Ein merklich zügigerer Saftablauf der Gesamtfläche gegenüber dem 110er Tuch bei genuss- bis vollreifer Apfelmaische wird dadurch nicht erreicht. Lediglich die Ecküberlappungen der einzelnen Packlagen werden erhöht und damit die Stabilität gegen Eckausbruch gesichert.

Diese Tuchgröße genügt, wenn die manuelle Pressensteuerung bei der wechselnden Reife der Obstmaische berücksichtigt wird.





 
















Fall 3 mit Tuchgröße 130 x 130 cm

Foto 3a zeigt das ausgebreitete Presstuch, auf das die simulierte Packlage/Maischeschicht (55 x 55 x 6 cm aus Holz) gelegt ist.

Foto 3b zeigt auch in den 4 Eckbereichen eine dreifache Tuchdeckung, im Mittelfeld ist die Deckung vierfach wie bei den anderen Tuchgrößen. Insgesamt wird eine dreifache Tuchabdeckung zu etwa 95 % erreicht. Bei den Einschlagecken überlappen diese mit jeweils 20 cm.

Die Tuchgröße ist für die vorgegebene 65er Presseinlage ideal.



Fall 4 mit Tuchgröße 140 x 140 cm

Mit dieser Tuchgröße wird ebenfalls wie bei der vorhergehenden Tuchgröße eine dreifache Abdeckung zu etwa 95 % erreicht. Durch die Übergröße hängen die Tuchecken jedoch 10 cm nutzlos über den Rändern.









Kaufempfehlung

Die vorgenannte Versuchsreihe zeigt, dass für eine zügige Entsaftung und damit kürzere Presszeiten für Ihre Presse die Tuchgröße 130 x 130 cm optimal ist. Deshalb schlage ich Ihnen dieses Tuch als Kaufempfehlung vor. Damit sparen Sie gegenüber dem 140er Tuch sogar noch rund 100,00 Euro ein.


Zusammenfassung

Ihr Hinweis zu den von Ihnen bisher verwendeten 100er Tüchern ist sehr interessant und blieb von mir bisher aus Unkenntnis unbeachtet. Ich werde auf die Auswirkungen bei zu klein gewählten Presstüchern künftig hinweisen. Bei meiner nachgestellten Trockenübung beträgt die Seitenüberlappung bei dem 100er Tuch nur 8 cm. Für frei liegende Ecken ist das zu wenig.

Wenn das Tuch nicht mit gleichmäßigen Seitenabständen in den Packrahmen gelegt wird, kann sich die Ecküberlappung schon mal um 4 cm verschieben. Dann hat eine Ecke 4 cm und die gegenüberliegende dafür 12 cm Überlappung. Wenn dann noch vollreife Maische gepresst wird und der Saft deshalb nicht zügig ablaufen kann, bricht die Ecke mit zu kurzer Seitenüberlappung auf.


Bei der 130er Tuchgröße beträgt die eingespannte Seitenüberlappung an den 4 Ecken jeweils um die 20 cm. Da besteht also noch Spielraum für ungenaues  Einlegen des Tuches.


Mit der Tuchgröße von 130 x 130 cm für 65er Einlagen ergeben sich zur 110er  Standard-Tuchgröße zwei wesentliche Vorteile:

1. Wegen der dreifachen Tuchüberlappung auf der Oberseite jeder Packlage ist eine zügige Entsaftung des Pressstapels auch bei vollreifer Maische gegeben.

2. Bei 20 cm Seitenüberlappungen an den Ecken jeder Packlage ist ein Aufbrechen der Ecken auch bei ungenauer Tuchauslegung ausgeschlossen.



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